Golf und Gesundheit

Eine Betrachtung von Stefan Johannsen

Golf und Gesundheit?!

Golf ist der schönste Sport der Welt, auch wenn unbedarfte Menschen es oft gar nicht als solchen betrachten.

Klar, Bewegung an der frischen Luft ist gesund. Das weiß jeder – zumindest theoretisch. Aber was genau ist am Golfen so gut für unsere Gesundheit und unser körperliches und geistiges Wohlbefinden? In ihrem Artikel »Golf und Natur: Entspannung und Regeneration für die Psyche« erklärt Gabriele Berg, Diplom-Psychologin und Geschäftsführerin der APOrtha Deutschland GmbH, welchen positiven Einfluss die Natur und der Aufenthalt im Grünen auf uns hat. In diesem Artikel liegt der Fokus jedoch eher auf der Betrachtung aus physiologischer Sicht.

Was uns Krank macht

Schauen wir uns an, welche Art von Erkrankungen hierzulande die meisten Leben kosten, sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Es sind Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Sie sind in unserer modernen Gesellschaft weit verbreitet, gelten als die häufigste Todesursache in Deutschland und verursachen 40 Prozent aller Sterbefälle. Dabei lässt sich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch regelmäßige, moderate Bewegung deutlich reduzieren.

Golf – das optimale Herz-Kreislauf-Training

Dieser Sport ist unschlagbar, denn wir senken beim Golfen durch den Aufenthalt in schöner, natürlicher Umgebung nicht nur den Stresslevel, sondern stärken durch das moderate Herz-Kreislauf-Training auch auf schonende Weise unser Herz-Kreislauf-System. Je nach Länge und Schwierigkeit des Platzes, der Anzahl der Spieler und ihrer jeweiligen Spielstärke dauert eine 18-Loch-Golfrunde etwa drei bis fünf Stunden. Das ist perfekt für ein gutes Grundlagenausdauertraining.

Herz-Kreislauf-Training – nur nicht übertreiben

Besonders gesundheitsförderlich ist, dass wir beim Golfen – anders als bei so vielen anderen Sportarten – nicht Gefahr laufen, es zu übertreiben. Viele, die eine bestimmte Strecke häufiger laufen oder mit dem Rad fahren, packt recht schnell der Ehrgeiz, jedes Mal irgendwie besser sein zu wollen – nach dem Motto »Nächstes Mal schaffe ich es in der Hälfte der Zeit!« oder »Beim nächsten Mal jogge ich 2 Runden!« Das kann uns beim Golf nicht passieren, da kommen wir nicht auf solche Ideen – und das ist ausgesprochen gut so.

Es sähe ja wohl auch reichlich albern aus, wenn wir nach dem Abschlag über den Platz rennen würden, um die Strecke zum Ball möglichst schnell zurückzulegen. Oder den Umweg über die Nachbarbahn nehmen würden, damit unser Fitness-Tracker nach der Golfrunde anzeigt, dass wir diesmal zwei Kilometer mehr zurückgelegt haben. Ganz abgesehen davon, dass es für die Atmosphäre auf dem Platz und unsere sozialen Kontakte im Golfclub sicherlich nicht förderlich wäre, die Stimmung der Mitspieler dürfte wohl in den Keller gehen ...

Die Kraft des Intervalls

Golf ist auch ein Intervall-Training. Zwar sind die Intervalle nicht besonders stark, aber es findet ein ständiger Wechsel statt: Körperspannung, Herz-Kreislauf- Training, Entspannung – und dann das Ganze wieder von vorn. Beim Schlag brauchen wir maximale Körperspannung, der Marsch zum Ball ist das Herz-Kreislauf-Training und beim Warten auf den Flight entspannen wir. Unterschiedliche Belastungen mit unterschiedlicher Intensität – das erhöht den Trainingseffekt und regt den Stoffwechsel an.

Stoffwechselaktivierung

Messungen bei Golfspielern haben ergeben, dass der Cholesterinspiegel bei einer 18-Loch-Runde um durchschnittlich 15 Prozent gesenkt wird. Und das Körpergewicht reduziert sich um etwa ein Kilogramm. Zwar dauert ein einzelner Golfschwung ja nur etwa zwei Sekunden, doch bei einem 18-Loch-Spiel sind wir in gemächlichem Tempo etwa vier bis fünf Stunden in herrlicher Umgebung unterwegs und legen dabei auf den Bahnen und Zwischenwegen etwa sieben bis elf Kilometer zurück.

Viel Strecke – und viel Zeit auch für die Stoffwechselaktivierung. Während eines Spiels steigt der Energieverbrauch auf das Doppelte bis Vierfache des Grundumsatzes an. Das entspricht einem durchschnittlichen Kalorienverbrauch von etwa vier bis fünf Kilokalorien (kcal) pro Minute, also etwa 1.500 bis 2.000 Kilokalorien bei einer 18-Loch-Runde. Den gleichen Energieverbrauch könnten wir – wenn auch auf ungleich schweißtreibendere Weise – erreichen, indem wir zweieinhalb Stunden Tennis spielen oder zwei Stunden mit einem Tempo von zehn Kilometern pro Stunde joggen. Wie anstrengend ... Da bleibt die Entspannung auf der Strecke.

Bänder, Sehnen und Gelenke

Nicht nur unser Herz-Kreislauf-System, auch unsere Knochen und Gelenke werden beim Golfen gestärkt. Die Gelenke brauchen – wie die Scharniere einer Tür zum Beispiel – Bewegung, um nicht einzurosten. Und die Nährstoffversorgung der Gelenke funktioniert quasi über Massage: Bei jeder Bewegung wird auf den Gelenkknorpel erst etwas Druck ausgeübt, dann lässt er wieder nach. Da Gelenkknorpel ein Gewebe ist, das nicht durchblutet wird, braucht es diese aus Bewegung resultierende Massage-Technik, um die Nährstoffe in den Gelenkknorpel zu transportieren.

Darüber hinaus verbessert die komplexe Bewegung beim Golfschwung auch die Festigkeit der Sehnen und die Flexibilität der Bänder. Gleichzeitig werden die Muskeln gedehnt, dadurch sinkt der Druck auf das Gelenk, sodass insgesamt in diesem Zusammenspiel die Gelenke besser gehalten und geführt werden. All das führt zu weniger Abnutzung in den Gelenken und somit langfristig zu mehr Wohlbefinden durch ausbleibende Gelenkschmerzen und eine bessere Beweglichkeit.

Festigung der Muskulatur

Das Trainieren der Muskulatur beim Golfen hat nicht nur auf die Gelenke Einfluss. Denn die Muskulatur wird einerseits durch die langanhaltende, moderate Belastung beim Gehen auf dem Golfkurs, andererseits durch die vor dem Schlag aufgebaute Körperspannung gestärkt. Das festigt unsere Mitte – und weil auch der Gleichgewichtssinn mittrainiert wird, stabilisieren wir unseren Körper und verbessern unsere Standfestigkeit.

Um die Standfestigkeit noch stärker zu steigern, ist der zusätzliche Besuch in einem Fitness- oder EMS-Studio empfehlenswert. Aber bitte, liebe Golffreundinnen und Golffreunde, den Golfschwung verbessern wir auf der Driving Range und nicht beim Krafttraining. Im Fitness- oder EMS-Studio sollte das Ziel sein, unsere Mitte zu stärken, um beim Abschlag stabil zu stehen. Das bringt uns deutlich mehr, als zu versuchen, gezielt die Muskulatur zu trainieren, von der wir glauben, sie für den Golfschlag zu brauchen.

Entspannung auch für die Augen

Übrigens tun wir auch unseren Augen etwas Gutes, wenn wir auf dem Golfplatz sind, denn sie müssen häufiger den Fokus verändern. Im Alltag schauen wir oft stundenlang aus ein und derselben Entfernung zum Beispiel auf den Computer- Bildschirm, das Handy oder den Fernseher. Beim Golfen dagegen variieren wir viel und fixieren abwechselnd den Ball und die Fahne – ein gutes Training für unsere Augenmuskulatur.

Golf und der Vitamin-D-Spiegel

Einen kleinen Wermutstropfen gibt’s auch – daher sei er am Rande erwähnt: Wir sind zwar beim Golfen draußen und bekommen so deutlich mehr Sonnenlicht ab als Leute, die Indoor-Sport treiben, aber unseren Vitamin-D-Status können wir beim Golfspiel allenfalls geringfügig verbessern. Für eine merkliche Anhebung des Vitamin-D-Spiegels ist die sonnenbestrahlte Hautfläche einfach zu klein – man beachte aber bitte auch weiterhin den Dresscode auf dem Platz ... – und die meisten von uns tragen zudem einen Sonnenschutz.

Nicht zu vergessen – Gehirnjogging

Doch zurück zu den Vorzügen unseres Sports im Hinblick auf die Gesundheit: Die Schlagbewegung beim Golf ist bekanntermaßen ein sehr komplexer Vorgang, an dem sehr viele Muskeln und Gelenke mit ihren Bändern und Sehnen beteiligt sind. Das erfordert eine immense Koordinationsleistung des Gehirns und des Nervensystems – auch hier wird also fleißig trainiert. Unser Gehirn muss nicht nur die Bewegung koordinieren, es muss auch ständig abschätzen, wie weit es zur Fahne ist, den richtigen Schläger wählen, die Schlagintensität abwägen und dosieren. Zwischendurch ein bisschen Small Talk mit den Mitspielern und nach der Golfrunde das gesellige Beisammensein im Clubheim – auch unser Kopf macht beim Golfen quasi sein Intervall-Training.

Golf und Gesundheit – das Fazit

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich also, was wir zumindest im Groben immer geahnt und beim Golfen wahrgenommen haben: Golf ist Sport vom Feinsten – ein umfassendes Training für Kopf und Körper, das extrem viel zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Auf derart entspannte und entspannende Weise, vermag das wohl keine andere Sportart zu leisten. In Kombination mit einem gesunden Lebensstil und einer ausgewogenen Ernährung ist Golf ein wahrer Jungbrunnen und ermöglicht ein aktives Leben bis ins fortgeschrittene Alter.

In diesem Sinne: Bleiben Sie dabei – bleiben Sie gesund – für eine bessere Performance beim Golf.